Radio & Ich

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1908

Die Anfänge der drahtlosen Funktechnik

Nach der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen 1886 durch Heinrich Hertz melden im Jahr 1900 sowohl Nikola Tesla als auch Guglielmo Marconi die ersten Patente zur drahtlosen Funktechnik an. Zeitgleich entwickelt Ferdinand Braun die Grundlagen zu ihrer technischen Umsetzung.

Aus der Frühzeit der Funktechnik stammt dieser Lichtbogengenerator nach Valdemar Poulsen. Er wird 1908 von der C. Lorenz AG in Berlin hergestellt und ermöglicht eine ausreichende und konstante Energie- sowie Frequenzerzeugung zur drahtlosen Sprachübertragung. Die Grundlage der Funktechnik ist geschaffen.

Lichtbogengenerator nach Valdemar Poulsen, C. Lorenz AG, Berlin 1908
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1917

Funktechnologie im Ersten Weltkrieg

Die Funktechnologie entwickelt sich während des Ersten Weltkrieges rasant weiter und wird zu einem unverzichtbaren Bestandteil »moderner« Militärführung. Nach dem Ende des Krieges kommen die technischen Errungenschaften vermehrt bei der Verbreitung von politischer Propaganda zum Einsatz

Angehörige der 4. Funker-Kompanie des Deutschen Heeres, um 1917
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1918/19

Revolution und Funkerspuk

Nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. versuchen revolutionäre Kräfte im Rahmen des sogenannten »Funkerspuks« erfolglos die Kontrolle über den Rundfunk zu übernehmen. Zum Schutz der jungen Republik vor der »kommunistischen Rätediktatur« formieren sich nach Kriegsende Freikorps aus ehemaligen Frontsoldaten. Auch Militärfunker werden angeworben.

Anwerbungsplakat »Fernsprecher! Signalisten! Funker!«, 1918/19
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1920
Erste deutsche Übertragung eines Radioprogramms
Der Sender Königs Wusterhausen gilt als Geburtsstätte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland. Am 22. Dezember 1920 findet hier mit der Aussendung eines Weihnachtskonzertes die erste deutsche Rundfunkübertragung auf Welle 2700 Meter statt.
Dieser 10 kW Langwellensender wird in den 1920er Jahren in Königs Wusterhausen eingesetzt.
Außenansicht des Senderhauses 1 der Großfunkstelle der Deutschen Reichspost in Königs Wusterhausen, 1921
10 kW Langwellensender aus Königs Wusterhausen
Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, 1925
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1923
Offizieller Start des Rundfunks in Deutschland

Am 29. Oktober 1923 startet die »Deutsche Stunde« als erster offizieller Radiosender Deutschlands aus dem Vox-Haus am Potsdamer Platz:

»Achtung, Achtung, hier ist die Sendestelle Berlin im Vox-Haus auf Welle 400 Meter!«

Zum Abschluss des Programms wird stets die Nationalhymne von der Schallplatte abgespielt. Ein halbes Jahr nach der ersten Sendung lauschen bereits 100 000 Hörer*innen. 1924 erfolgt die Umbenennung in »Funk-Stunde AG Berlin«.

Rundfunkpionier Alfred Braun am Tonmischpult
im Vox-Haus Berlin, 1923
»Funkstunde. Das offizielle Berliner Programmblatt«, 1927/28
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1924

Entwicklung der Hörer*innenzahlen in der Anfangszeit des Rundfunks

Entwicklung der Hörer*innenzahlen von 1923 bis 1932

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1926
»Ortsempfänger OE 333« mit Kopfhörer
1926 – »Ortsempfänger OE 333« mit Kopfhörer
Loewe-Audion GmbH, Neufeldt & Kuhnke, 1926/27
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1930
Albert Einstein auf der Deutschen Funkausstellung und Phonoschau in Berlin
Bei der 7. Deutschen Funkausstellung und Phonoschau in Berlin, dem Vorgänger der heutigen IFA (Internationale Funkausstellung), hält Nobelpreisträger Albert Einstein die Eröffnungsrede, welche auch im Rundfunk übertragen wird. Diesen Umstand aufgreifend beginnt er die Rede humorvoll mit »Verehrte An- und Abwesende«.
Albert Einstein auf der Deutschen Funkausstellung und Phonoschau in Berlin, 1930

Bundesarchiv, Bild 102-10299 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0

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1933
Radio und nationalsozialistische Propaganda
Für Joseph Goebbels ist das Radio das »allermodernste und allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument«. Es soll die nationalsozialistische Propaganda »aktuell und interessant« verbreiten. Dazu wird die umfassende Versorgung der Bevölkerung mit Volksempfängern vorangetrieben. Die Radioausstattung deutscher Haushalte steigt von 25 Prozent (1933) auf 65 Prozent (1941). Der Name des Volksempfängers »VE 301« bezieht sich auf den Tag der Machtübernahme Hitlers, den 30. Januar 1933.
Frau beim Radiohören über einen Volksempfänger, 1944
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1938
Live-Radio-Drama »The War of the Worlds« von Orson Welles

Das Hörspiel »Krieg der Welten« des Regisseurs Orson Welles gilt als eines der bedeutendsten der Radiogeschichte. Die zeitgenössischen Berichte über eine dadurch entstehende Massenpanik gelten heute allerdings als übertrieben.

Don’t believe the hype! – Die Legende einer Massenpanik

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31.08.1939
Überfall auf den Sender Gleiwitz
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01.09.1939
Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen

Die Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen stellt das Hören ausländischer Sender sowie das Verbreiten der dort gehörten Inhalte unter Strafe.

Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen, 1939
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1943
Verfolgung und Bestrafung sogenannter »Rundfunkverbrecher«
Das Hören ausländischer Radiosender steht im Deutschen Reich seit 1939 unter Strafe. Tausende Menschen werden für »Rundfunkverbrechen« in den folgenden Jahren zu Haftstrafen verurteilt, in einigen Fällen kommt es auch zu Todesstrafen. Einer der jüngsten hingerichteten »Rundfunkverbrecher« ist der 19-jährige Walter Klingenbeck.
Walter Klingenbeck (1924-1943), um 1940

Letzter Wehrmachtsbericht, der über den Reichssender Flensburg verlesen wird: „Seit Mitternacht schweigen an allen Fronten die Waffen.“

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1945
Neuorganisation des deutschen Rundfunks
Die siegreichen Alliierten organisieren nicht nur Deutschland, sondern auch den Rundfunk neu. Während im Osten die Sowjetunion ihre staatlich kontrollierte Vorstellung von Radio umsetzt, etablieren im Westen die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich eine dezentrale Rundfunklandschaft.

Der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) sendet Programm für die Westsektoren, ist aber fast flächendeckend auch in der sowjetischen Besatzungszone zu empfangen.

Werbeplakat des RIAS »Auf Draht für die Westsektoren«, Günther Mohr, um 1947
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1948
Neuverteilung der Sendefrequenzen
Nach dem Zweiten Weltkrieg regelt die Kopenhagener Wellenkonferenz die Neuverteilung der Sendefrequenzen auf Lang- und Mittelwelle. Deutschland bekommt als Kriegsverlierer nur wenige Frequenzen zugeteilt, was schlussendlich den Ausbau der Sendernetze auf Ultrakurzwelle (UKW) mit sich bringt.
Kopenhagener Wellenplan, FUNK-TECHNIK, Nr. 24, 1948
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1949
Start des UKW-Radios in Deutschland
Der Bayerische Rundfunk schaltet den ersten Radio-Ultrakurzwellensender Europas an. Bereits Ende April 1950 empfangen rund 40 Prozent der Hörenden das qualitativ bessere UKW-Radio.
Erster Ultrakurzwellensender Europas, 1 kW Leistung, Rohde & Schwarz GmbH & Co KG, 1949
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1950
Störung(en) des RIAS durch die DDR
Die DDR bewertet den RIAS als westliches Propagandainstrument, stellt das Hören des Senders unter Strafe und stört ihn systematisch.
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1952
Gründung des »Staatlichen Komitees für Rundfunk« in der DDR
Das Staatliche Komitee für Rundfunk ist zuständig für die Leitung und Kontrolle des Rundfunks in der DDR. Dabei wird es vom Zentralkomitee der SED überwacht. Den Hauptsitz bildet das Funkhaus in der Nalepastraße in Berlin, wo auch die Sendungen für die Sender DDR 1 und DDR 2 produziert werden.
Gesamtansicht des Studiokomplexes des Funkhauses der Deutschen Post der DDR, Berlin/Ost, Nalepastraße, 1952

Innenaufnahme eines Aufnahmestudios im Hörspiel- und Musikproduktionskomplex im Funkhaus der Deutschen Post der DDR, um 1965

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1954
Erstes Transistorradio
Transistoren sind neuartige elektrische Bauelemente, die weniger Platz und Energie benötigen als die herkömmlichen Röhren. Dadurch werden Radios kleiner, mobiler und günstiger. Obwohl die Klangqualität anfangs nicht mit der eines Röhrenradios konkurrieren kann, setzen sich Transistorradios schnell durch.
Erstes Transistorradio »Regency TR1«
Industrial Development Engineering Associates (IDEA), 1954
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1956
DDR-Propagandasender
Start des Geheimsenders »Deutscher Freiheitssender 904«, der sich mit DDR-Propaganda an die Bürger*innen in der Bundesrepublik Deutschland richtet. 1960 geht zusätzlich der Geheimsender »Deutscher Soldatensender 935« auf Sendung.
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1958
»Phonosuper SK 5«
»Phonosuper SK 5«, Max Braun oHG, Hans Gugelot, Dieter Rams, 1958
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1964
Start des DDR-Jugendsenders DT64
Zum »Deutschlandtreffen der Jugend« 1964 in Ost-Berlin startet der DDR-Rundfunk sein Jugendprogramm DT64, 1968 wird es zum gleichnamigen Sender. Zusehends politischer und kritischer begleitet er die ostdeutsche Jugend durch die Wendezeit bis 1993.
Wimpel des Jugendprogramms DT64, um 1990
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01.11.1964
Die ARD sendet spezielle Programme für Arbeitsmigrant*innen
Der Zweite Weltkrieg hinterlässt tausende Kinder, Geflüchtete und Soldaten verstreut und ohne Kontakt zu ihren Familien. Das Wirtschaftswunder bringt »Gastarbeiter*innen« in die junge Bundesrepublik, fernab ihres Zuhauses.

Weltweit flüchten Menschen vor Katastrophen, Konflikten und Kriegen. Für viele ist das Radio eine Verbindung – zu Familie und Freunden in der Ferne, der alten wie neuen Heimat.

Italienische »Gastarbeiterfamilie« am Radio, 1962

Bundesarchiv, B 145 Bild-F013072-0008 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0

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1965
Start des »Klingenden Sonntagsrätsels«

»Das klingende Sonntagsrätsel« war eine gesamtdeutsche Unterhaltungssendung, die in West und Ost für viele zum Sonntag dazu gehörte. Wer das richtige Lösungswort einsandte, konnte einen kleinen Gewinn erhoffen, musste aber in der DDR mit staatlichen Repressalien rechnen. Die Post wurden von der Stasi geöffnet, ausgewertet und einbehalten, ihre Verfasser eingeschüchtert, diszipliniert, auch verhaftet. Die von Hans Rosenthal entwickelte Quizsendung wird auch heute noch regelmäßig ausgestrahlt.

In unserer digitalen Briefsammlung stehen Ihnen rund 100 Zuschriften aus der DDR – die den Sender allerdings nie erreichten – zur Verfügung. https://briefsammlung.de/das-klingende-sonntagsraetsel/

Klingendes Sonntagsrätsel: Christian Bienert, Martina Kintscher, Hans Rosenthal (v. l.)

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1971
Start des Verkehrsfunks in Deutschland
Die ersten seriellen Produktionen von Autoradios gibt es bereits in den 1920ern, erst in den 1970er Jahren jedoch reagieren die Sender mit speziellen Programmangeboten: Bayern3 und hr3 werden als »Servicewellen« gegründet, sie liefern Musik und führen den Verkehrsfunk ein. 1974 feiert im Deutschlandfunk der sogenannte »Hinz-Triller« Premiere, das Signal für die Verkehrsnachrichten.
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1976
»Stern-Recorder« R 160
Der »Stern-Recorder« stammt aus einem Elternschlafzimmer einer Familie aus Sachsen-Anhalt. Das Gerät ist dank Batteriebetrieb mobil und wird mit auf Reisen genommen. Der eingebaute Kassettenrecorder kann zudem das laufende Radioprogramm mitschneiden.
»Stern-Recorder R 160«, Spitzname »Holzstern«
VEB Stern-Radio Berlin, 1976-1980
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1984
Erste Konkurrenz für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Der erste privatrechtlich-kommerzielle Sender »Radio Weinstraße« erweitert die deutsche Radiolandschaft. Im gleichen Jahr startet auch »Radio Dreyeckland« als erster freier Sender in Deutschland und bietet kritischen Gesellschaftsrundfunk ohne kommerzielle Interessen.

Aufteilung der Radiosender in Deutschland 2020

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1990

Digital Tuner

Digital Tuner »DAR-1000 ES DSR«, Sony Corporation, um 1990
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1991
Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland
Der Rundfunkstaatsvertrag fixiert die grundsätzlichen Richtlinien des deutschen Rundfunksystems. Dazu zählen der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder die für alle Rundfunkveranstalter bei der Programmgestaltung zu berücksichtigenden Prinzipien.
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1995
Erste Streaming-Dienste
Das Info-Radio vom rbb etabliert in Kooperation mit der TU Berlin das Format »Info-Radio on Demand« als einen der ersten Streaming-Dienste in Deutschland.

Womit hörst du Radio?
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2001
Der iPod läutet einen grundlegenden Wandel im Audiobereich ein
Mit der Fortentwicklung der Radiotechnik erhöht sich auch die Portabilität der Geräte. Meilensteine wie der iPod verändern die Musikindustrie nachhaltig. Er ist bis heute das weltweit meistverkaufte Gerät zur Musikwiedergabe und prägt den Begriff des Podcasts.
»iPod«, 1. Generation, Apple Computer Inc, 2001
Röhrenradio in Umhängetasche, Eigenbau, um 1950
Kofferradio »Prima-Boy 207«, Grundig-Werke GmbH, 1966
Erster Walkman Sony »TPS-L2«, Sony Corporation, 1979
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2004
Ausbau des digitalen Radioempfangs
Ein stetig wachsendes Angebot an DAB-Empfangsgeräten und eine optimierte Datenübertragung macht den digitalen Radioempfang für immer mehr Verbraucher*innen attraktiv.
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2017
ARD-Audiothek geht online
Durch den Ausbau von Online-Mediatheken und Streaming-Diensten verändern sich die Hörgewohnheiten der Nutzer*innen. Statt dem einmaligen programmorientierten Hören lassen sich die Inhalte jederzeit und beliebig oft abrufen.

Gründungsjahre verschiedener Streaming-Plattformen

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2020
Corona-Initiative
Als Zeichen der Verbundenheit während der Corona-Krise spielen zahlreiche europäische Sender zeitgleich das Lied »You’ll Never Walk Alone«.
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2020
Ausstellungseröffnung ON AIR. 100 Jahre Radio
Notizbuch für die Ausstellung »ON AIR. 100 Jahre Radio«, Kunst & Papier, 2019
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2020
THE FUTURE IS NOW
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WAS MACHT RADIO ZUKÜNFTIG AUS?

 

WIE WIRD RADIO IN 20 JAHREN GESTALTET?

 

WIE UND WOMIT HÖREN WIR IN 20 JAHREN RADIO?

 

WELCHE (AUS-)WIRKUNGEN WIRD RADIO IN 20 JAHREN HABEN?

Museum für Kommunikation Berlin